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2019-09-04

„Hauptsache, das Baby ist gesund!“ – warum nur ÜBERLEBEN zu wenig ist

baby-1531059_1280.jpg„Hauptsache, das Baby ist gesund!“ Ein Satz, den ich häufiger schon im Zusammenhang mit Geburt überhaupt, und im Besonderen mit  Kaiserschnitt gehört habe.

Da stellt sich mir die Frage: Was bedeutet der Satz denn überhaupt? Was impliziert er?

Hauptsache, das Baby ist gesund. Natürlich ist das eine Hauptsache! Denn welche Mutter, welche Familie, möchte schon, dass es ihr Baby krank ist? In diesem Satz steckt also eine Menge Wahrheit. Wie ich finde, fehlt ihm aber auch eine ganze Menge.

Denn wer ist denn noch Teil der Geburt, und schon lange vorher, der Schwangerschaft? Die MUTTER, die FRAU. In ihrem Körper, unter ihrem Herzen, wächst, gedeiht und reift über so viele Monate das neue Leben heran. So behütet wie nur irgend möglich. Es ist auch kein Geheimnis, dass eine Schwangerschaft und Geburt, egal ob vaginal oder per Kaiserschnitt, oftmals kein Spaziergang ist.

Einen solchen Satz zu sagen, und zu hören – und ja, ich habe ihn auch persönlich zu hören bekommen – ist für mich, die FRAU und MUTTER aus dem Fokus zu verlieren. Dabei ist sie zum allergrößten (nicht einzigen!) Teil dafür verantwortlich, dass das Kind in ihr sich gesund entwickelt. Und aus meiner Beschäftigung mit der pränatalen Psychologie* weiß ich: das beinhaltet so viel mehr als „nur“ gesunde Ernährung und Lebensweise. Auch auf die psychische Entwicklung des Babys hat sie einen enormen Einfluss – und das von Anfang an, SPÄTESTENS mit der Zeugung!

Die Frau trägt dieses Kind in besonderem Maße – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Sicherlich nicht allein! Das wäre auch tragisch. Ihre besondere Rolle vermag jedoch wohl niemand abzustreiten.
Dieser Satz – „Hauptsache, das Baby ist gesund!“ – vergisst diese im wahrsten Sinne tragende Rolle der Frau. Und wenn es nur für eine Sekunde ist, weil danach korrigiert wird. Er vergisst alle Mühen, alle Anstrengungen, er vergisst selbst alle Freude, die (hoffentlich!!!) für jede Frau mit dem Einstieg in die Mutterrolle zugegen ist.

Und davon abgesehen, fokussiert er sich einzig auf eines: aufs ÜBERLEBEN. Natürlich gibt es Situationen unter der Geburt, in denen der Kaiserschnitt definitiv LEBEN RETTET (so ist es bei mir selbst geschehen).  In dem konkreten Moment geht es in erster Linie darum: Gesund und heil aus der Gefahr herauszukommen. Keine Diskussion.

Doch was geschieht dann? Nach der überstandenen OP? Wenn das ÜBERLEBEN geglückt ist? Genau HIER breitet sich oft Leere aus. Mit diesem Satz „Hauptsache, das Kind ist gesund!“ bleibt der Fokus auf dem Überleben. Damit hat die Klinik, durch die OP und Lebensrettung, ihren „Soll“ erfüllt. Aber was macht so eine dramatische Situation mit der SEELE der Frau? Und letztlich natürlich auch mit der Seele des Kindes?

Mir ist bewusst: Nicht jeder Kaiserschnitt verläuft als Not-OP. Sicher nicht jeder Kaiserschnitt ist traumatisch. Und zu „traumatisch“ zählt für mich: „zu schnell, zu heftig, zu unerwartet“. Ich bin mir jedoch sicher: jeder Kaiserschnitt bedeutet so viel mehr als nur ÜBERLEBEN. Jeder Kaiserschnitt hat Implikationen – körperlich, natürlich, aber eben auch seelisch. Und genau an dieser Stelle, an diesem sensiblen Übergang zwischen Überleben und Wieder-Eintritt ins „normale“ Leben, werden viele Frauen allein gelassen. Denn: „Hauptsache, das Baby ist gesund!“

Es braucht einen sensibleren Umgang mit dieser Phase. Es braucht ein Bewusstsein dafür, was ein Kaiserschnitt für die Seele der Frau bedeuten kann. Bewusstsein dafür bei allem medizinischen Personal, und letztlich bei allen, auch bei uns Frauen selbst! Es braucht Begleitung, Halt, tiefes Verständnis und Unterstützung – gerade in einer Zeit, in der Hebammen rar gesät sind und die Familie oft auf Entfernung wohnt.

Ich weiß nicht, wie es dir damit geht - ich will mehr, viel mehr als nur ÜBERLEBEN. Ich will ALLES, was das Leben zu bieten hat – Tiefe und Leichtigkeit, die Wut, die Trauer, die FREUDE, das Glück, die ganze Bandbreite an Gefühlen, die es zu bieten hat, und bitte viel davon!!!

Das wünsche ich allen Frauen – und besonders den „Kaiserinnen“.
 
 
 
 
*pränatale Psychologie beschäftigt sich u.a. mit den Einflüssen auf das Ungeborene VOR der Geburt, und mit seiner psychischen Entwicklung.

Martina Wolf - 04:19:23 @ Kaiserschnitt, Erfahrung, Geburt, Kaiserin | Kommentar hinzufügen

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