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2019-08-28

Der Weg der „Kaiserin“ – über meine Erfahrung mit dem Kaiserschnitt

tarot-3604464_1920.jpgAlles hat seinen Sinn.
Heute weiß ich das. Bevor ich zur „Kaiserin“ wurde, durch die Geburt meines ersten Sohnes, wusste ich das nicht. Dieser Satz hat sich mir früher noch nicht erschlossen.

Vor einigen Jahren, ich fröhlich schwanger mit meinem ersten Sohn, kannte ich diesen Satz noch gar nicht. Ich blickte mal etwas bange, mal mit Vorfreude auf die kommende Geburt und dachte: „Was soll schon passieren? Kaiserschnitt? Wieso sollte ich? Abgelehnt, abgeschoben.“

Kaiserschnitt – das war für die, die Angst hatten, es „richtig“ zu machen, die sich lieber das Kind schnell rausschneiden lassen.
Kaiserschnitt – das war doch keine „richtige“ Geburt. Das war nur die letzte Option, wenn es nicht mehr „normal“ ging.
Kaiserschnitt war ein NO GO. Diesen Weg würde ich nicht gehen.  Kaiserschnitt – OHNE MICH!

Und dann kam das.

Der Moment, als Dr. Engel [und er hieß wirklich so!] kam und mir eröffnete, die Plazenta löse sich ab, das könne gefährlich werden für Mutter und Kind, wir könnten nun nicht mehr warten. „Wir schieben Sie jetzt in den OP.“

Herzrasen. OP. Das bedeutet Kaiserschnitt. Herzrasen. Kaiserschnitt. Ich will das nicht!!!

Hektik um mich herum. Ärzte, Hebamme in den Kreißsaal rein, raus. Schnelle Rasur. „Nehmen Sie schnell Ihren Schmuck raus!“ Mein Mann wird geweckt, dem ich noch zum Abschied winken kann. Gedanken, ob wir uns wohl wiedersehen…

Im OP ist es kalt. Ich liege unbedeckt, um mich herum Fremde, die mir gleich den Bauch aufschneiden. Der Anästhesist sehr freundlich, erklärt – doch ich bin innerlich zwischen Erfrieren und dem Versuch, mich selbst zu kontrollieren. „Keine Panik, Martina…“ In Wahrheit bin ich längst in Panik.

„Gleich atmen Sie tief ein und schlafen.“ Mein Baby…

Nach dem Aufwachen bricht sich die Panik Bahn. Ich schreie „Aua mein Bauch!!!“ Weiß nicht, wer ich bin, wo, wieso, wo ist mein Kind!?! Der Arzt und mein Mann brauchen lange, um mich wieder ins Hier und Jetzt zu holen. Was folgt, ist Verstummen. Ich fühle nichts. Keinen Schmerz, keine Trauer. Ich bin taub.

Nach Stunden sehe ich meinen Sohn zum ersten Mal. Angezogen, so klein, und so fremd. Er wurde mir entrissen. Ich habe ihn nicht geboren. Bin ich überhaupt seine Mutter…?

Kaiserschnitt…

Das war keine „richtige“ Geburt. Ich habe es nicht „geschafft“. Ich bin gar keine Mutter. Ich habe versagt.

Dieses Grundgefühl begleitete mich lang, sehr lang. Es schmerzt mich, dass dieses die Grundlage für die erste Lebenszeit mit meinem Sohn war, und für uns als Familie.

Jahre, eine lange Psychotherapie und etliche Selbst-Erfahrungen später weiß ich nicht, warum – ich weiß aber, DASS ich diesen Weg offenbar 
gebraucht habe.

Der Kaiserschnitt – ein tiefer Schnitt

Mein Weg der „Kaiserin“ war sehr schmerzlich, auf allen Ebenen, körperlich, geistig, seelisch. Und doch lernte ich, dass dieses Grundgefühl, versagt zu haben, nicht neu war. Dieses Grundgefühl hatte das kleine Mädchen in mir ein Leben lang begleitet. Durch den Kaiserschnitt durfte ich das zum ersten Mal spüren. Richtig intensiv, schmerzhaft und tief. Scheiße. So war das. Punkt.

Ich kenne das Grundgefühl noch immer. Doch ich habe neu gelernt, damit umzugehen. Ich habe gelernt, wie das gehen kann, mein kleines Mädchen, mich selbst, in diesem Schmerz zu halten. Und als ich das gelernt hatte, konnte ich meinen ersten Sohn halten. Und meinen zweiten. Und mein drittes Kindlein, das ich in mir trage und halte.

Ich musste das nicht allein lernen. Viele Menschen haben mich begleitet und begleiten mich noch. Dafür bin ich sehr dankbar.

Alles hat seinen Sinn – auch mein Kaiserschnitt.

Auf dem Weg der „Kaiserin“ zur Kaiserin.

Martina Wolf - 07:08:31 @ Allgemein | Kommentar hinzufügen

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